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Pfarrbrief und mehr ...

 
Bildquelle: pixelio.de

Die erste hier auftauchende und zu beantwortende Frage lautet: Was ist eigentlich ein Dialekt oder eine Mundart? Ein grundlegendes Merkmal, das jedem sofort einfallen dürfte, ist die Abweichung von der Aussprachenorm, dem Hochdeutschen Standard, kurz Hochdeutsch. Dialekt setzt also voraus, dass es eine Hoch-Sprache gibt, von der er sich abgrenzt bzw. zu der er in Kontrast steht.

So war auch die Entdeckung des Dialekts oder der Mundart erst möglich, als es eine Sprachform gab, die im Gegensatz zum Dialekt stand. Solange Neuhochdeutsch nichts weiter war als Schriftsprache, bestand kein Anlass, Dialekte zu untersuchen und aufzuzeichnen. Der Begriff "Mundart" verdeutlicht, dass die Betonung auf der Mündlichkeit liegt, weniger auf der Regionalität. Der Terminus "Dialekt" ist von dem griechischen Verb "dialegesthai" "miteinander sprechen", "sich unterreden", "sich unterhalten" abgeleitet. Im allgemeinen hat sich dieser Begriff durchgesetzt.

Auch wenn die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Dialekt erst im 19. Jahrhundert begann, so wurde er doch bereits seit dem 17. Jahrhundert immer wieder thematisiert. Ein nicht zu unterschätzender Impuls kam dabei von ROUSSEAU, der mit als Erster die Sprache des "einfachen Mannes" würdigte. Im Sturm und Drang wurde Dialekt idealisiert, er stand für reines und unverfälschtes Denken. Im Rahmen der historischen Sprachwissenschaft begann dann die eigentlich wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Dialekt. JACOB GRIMM erkannte als erster die historischen Wurzeln an und zeigte Gesetzmäßigkeiten auf. Wirklich interessant wurde es dann Ende des 19. Jahrhunderts, als die Phonetik die Voraussetzungen für eine adäquate und detaillierte Beschreibung der Laute schuf.

Die heutigen Sprachgrenzen sind das Ergebnis verschiedener Entwicklungen. Im 19. Jahrhundert glaubte man, in den modernen Dialektgrenzen die Siedlungsgebiete der germanischen Stämme gefunden zu haben. Doch nur in ganz seltenen Fällen entsprechen Sprachgrenzen wirklich diesen alten Stammesgrenzen. Die größte Wirkung auf das dialektgeographische Bild wird den spätmittelalterlichen Territorien zugeschrieben. Politische Kontinuität zum Beispiel hatte häufig eine relativ große sprachliche Einheitlichkeit zur Folge.

Auch natürliche Gegebenheiten, wie z. B. Gebirge oder große Wälder können zu Sprachgrenzen werden, da sich die Dialektsprecher gegenseitig nicht mehr beeinflussen können. Zudem beeinflussen Verkehrsstraßen und Ballungszentren Sprachbewegungen. Große Wirtschafts- und Verkehrsräume haben die Tendenz, eine einheitliche Sprachform auszubilden.

Nicht zuletzt sind auch aktuelle politische Grenzen sprachgeographisch von Bedeutung. Die im 18. Jahrhundert eher unwichtigen Landesgrenzen trennen heute politische, soziale, bildungsinstitutionelle, juristische und wirtschaftliche Auffassungen. Dialektale Sprachbewegungen werden so gehemmt oder kommen ganz zum Stillstand.

Unter dem Gesichtspunkt, dass Sprachen als geschichtlich gewachsene Konstrukte, die sich in bestimmten soziokulturellen Situationen entwickelt haben, zu verstehen sind, soll die Sprachlandschaft im Bereich der Verbandsgemeinde Hermeskeil grob nachgezeichnet werden.
Die Dörfer dieses Raumes bilden zwar politisch, kirchlich und wirtschaftlich einen einheitlichen Kernraum, doch sprachlich gibt es starke Unterschiede, was man daran erkennen kann, dass die Dörfer Damflos, Züsch, Neuhütten-Muhl sowie die Hermeskeiler Stadtteile Abtei und Höfchen einen Dialekt sprechen, der sich in etlichen Lauten, Worten, grammatischen Eigenheiten und natürlich in der Betonung erheblich von den Dialektvarianten der übrigen Region des Hochwaldes unterscheiden. Dialektforscher bezeichnen diese Sprachscheide als sogenannte Hunsrückbarriere. Diese Sprachlinie, auch Isoglosse genannt, trennt das sogenannte Moselfränkische vom Rheinfränkischen.

Das Moselfränkische, ein Zweig des Mittelfränkischen, wird gesprochen im Stromgebiet der Mosel bis nach Andernach am Rhein: also in Lothringen, Luxemburg, an der mittleren und unteren Saar, auf dem Saargau, in der Eifel und in Teilen des Hochwalds, ausgenommen den oben genannten Dörfern, die, wie auch die Gebiete um Thalfang und Simmern, zum Bereich des Rheinfränkischen gehören. Die rheinfränkischen Dialekte sind durch die St. Goaer Linie oder „Dat/das-Linie“ vom nördlich und westlich angrenzenden Moselfränkischen getrennt, die von saarländischen Völklingen über Bad Kreuznach, Sankt Goar und Limburg nach Dillenburg verläuft.

Für den Bereich der Hochwälder Sprachlandschaft ist die sogenannte Hochwaldbarriere als Sprachscheide von Bedeutung, da hier die Unterschiede des Dialektgebrauchs und auch das Verhältnis zwischen Dialekt und Hochsprache in ihrer Entwicklung zu erkennen sind.

[Dr. Joachim Sand]

Baugebiet Großer Röder

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